Offener Brief – Unterstützung des Jüdischen Filmfestivals 2014 durch die israelische Botschaft

An die

Österreichische Gesellschaft zur Erhaltung
und Förderung der jüdischen Kultur und Tradition

Penzinger Straße 35/6/21
1140 Wien

 

Wien, 3. Oktober 2014

Offener Brief

Betreff: Unterstützung des Jüdischen Filmfestivals 2014 durch die israelische Botschaft

Sehr geehrte Verantwortliche,

auf der Website des von Ihnen veranstalteten Jüdischen Filmfestivals scheint das Emblem des Staates Israel als „Partner & Unterstützer“ des Festivals auf. Dies finden wir aus folgenden Gründen äußerst problematisch.

Der Staat Israel verfolgt seit Jahrzehnten eine völkerrechtswidrige, menschenverachtende und sogar tödliche Politik der Kolonisierung, Besatzung und Vertreibung gegenüber der einheimischen palästinensischen Bevölkerung. Erst diesen Sommer sind bei einem Angriff der israelischen Armee auf den Gazastreifen über 2000 ZivilistInnen getötet worden. Die ohnehin schon durch  die regelmäßigen vorhergegangenen Angriffe beschädigte Infrastruktur wurde derart zerstört, dass eine humanitäre Katastrophe von unvorstellbaren Ausmaß  in dem nach wie vor abgeriegelten Gazastreifen eingesetzt hat.[1]

Im Jahr 2005 haben das israelische Außenministerium, das Finanzministerium und das Büro des Premierminister die sogenannte „Brand Israel“-Kampagne gestartet. Diese verfolgt das dezidierte Ziel, das Image des Staates Israel in Europa und den USA zu verändern: weg von der Assoziation mit Krieg, Militär und Religion hin zu einem positiven Bild von Israel als modernem und weltoffenen Staat.[2]

Die Unterstützung kultureller Veranstaltungen ist ein essentieller Bestandteil der „Brand Israel“-Kampagne und trägt somit zur Depolitisierung und Normalisierung von Israels andauernder aggressiver und rassistischer Politik bei. In diesem Kontext erachten wir es als besonders zynisch, dass oftmals jüdische Kultur und Tradition für Israels Imagezwecke instrumentalisiert werden. Auch israelkritische jüdische Organisationen und Einzelpersonen weltweit wehren sich seit Jahren gegen die Gleichsetzung von Judentum, Jüdischsein und jüdischer Kunst und Kultur mit dem Staat Israel.[3]

Wir bitten Sie daher, als Veranstalter des Jüdischen Filmfestivals Wien, Stellung zu unseren Bedenken zu nehmen und uns über die Art der Unterstützung durch die israelische Botschaft aufzuklären. Sollte dies nicht passieren, müssen wir davon ausgehen, dass sie die Imagekampagne des Staates Israel zumindest stillschweigend billigen und werden daher den internationalen BDS-Richtlinien des kulturellen Boykotts folgend[4] zum Boykott des Festivals aufrufen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

BDS Austria

 

[1]     Siehe http://www.dw.de/kein-gesellschaftliches-netzwerk-mehr/a-17953784.

[2]     Siehe http://forward.com/articles/2070/israel-aims-to-improve-its-public-image/.

[3]     Als ein Beispiel sei an dieser Stelle die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.“ aus Deutschland genannt. Über ihre Aktivitäten informiert http://www.juedische-stimme.de/.

[4]     Siehe http://www.bds-kampagne.de/hintergrund/grundlegende-erklrungen/pacbi-richtlinien-fr-den-internationalen-kulturellen-boykott-von-israel/

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