Statement der Aktivistinnen von BDS Austria zum Weltfrauentag 2018

In den sozialen Netzwerken verbreitet sich gerade ein Aufruf im Zusammenhang mit einer Veranstaltung für den Weltfrauentag am 8. März 2018 in Österreich, die verschiedene, eigentlich widersprüchliche Gesinnungen einfordert (siehe Screenshot).

Screenshot vom Facebook-Event „Demo – internationaler feministischer Kampftag“

Als Menschenrechtsaktivistinnen sind wir Aktivistinnen von BDS Austria äußerst verärgert darüber, wie Feminismus als Haltung und Praxis, die sich für Gleichberechtigung einsetzen sollte, dazu missbraucht wird, die Ungerechtigkeit zu unterstützen, die einer bestimmten Bevölkerungsgruppe widerfährt. Konkret geht es uns um Frauen*, die unter dem israelischen Apartheidsstaat und seiner zionistischen Ideologie leiden.

Beispielsweise waren von 2000 bis 2005 über 60 palästinensische Frauen dazu gezwungen, ihre Kinder ohne adäquate medizinische Versorgung an israelischen Checkpoints zu gebären. Mehr als 30 von ihnen erlitten Fehl- bzw- Totgeburten (siehe Grafik von Visualizing Palestine). Nicht einmal das Recht, das Licht der Welt zu erblicken, ist in Palästina gewährleistet.

Grafik von https://visualizingpalestine.org/visuals/checkpoint-births

Die Solidarität mit allen Unterdrückten dieser Welt ist für uns so selbstverständlich wie die Solidarität mit allen Frauen*. Überall.

Heute ist in Österreich vor allem antimuslimischer Rassismus allgegenwärtig. Obwohl 98 Prozent der antimuslimischen Übergriffe Frauen betreffen (1), wird dies von den meisten sogenannten Feministinnen nicht thematisiert.

Gerade deshalb positionieren wir uns als BDS-Aktivistinnen mit diversen Herkünften, Glaubens- und Weltanschauungen und Sozialisierungen – ob jüdisch, muslimisch, atheistisch oder sonst was, feministisch sind wir alle! – deutlich gegen jede Art von Sexismus, Ausbeutung, Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen*. Egal welcher Religion, Herkunft oder sexuellen Orientierung. In diesem Sinne und aus genau diesem Grund können wir es nicht hinnehmen, dass Antisemitismus mit Antizionismus gleichgesetzt wird.

Als bekennende Antizionistinnen und Feministinnen sind wir der Meinung, dass es nie feministisch sein kann, einer gesamten Bevölkerungsgruppe ihr Recht auf Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichbehandlung zu nehmen.

Um mit bell hooks zu schließen: Feminism is for everybody.

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(1) http://medienservicestelle.at/migration_bewegt/wp-content/uploads/2017/04/Dokustelle-Report2016.pdf, S. 36.

Post Author: Rom

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